Kulturschlachthof 

Konkrete Utopien einer lebenswerten Welt

 

„Was erwarten wir? Was erwartet uns? Viele fühlen sich nur als verwirrt. Der Boden wankt, sie wissen nicht warum und von was. Dieser ihr Zustand ist Angst, wird er bestimmter, so ist er Furcht. (...) Doch nun wird, die Urheber der Furcht abgerechnet, ein uns gemäßeres Gefühl fällig. Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen.“ - Ernst Bloch

 

Das Prinzip Hoffnung bildet den Kern der konkreten Utopie. Hoffnung auf bessere Zeiten, Hoffnung auf eine gerechte und lebenswerte Welt für Alle. Die Hoffnung, in Anbetracht all der Krisen und Katastrophen um uns herum, nicht den Atem zu verlieren und zu resignieren. Diese Hoffnung entsteht, wenn sich aus einer radikalen Kritik der bestehenden Verhältnisse konkrete Utopien entwickeln. Utopisch, da wir von einer gänzlich anderen Welt träumen, aber konkret, da diese Träume im Rahmen des Möglichen liegen.

Gemeinsam mit euch wollen wir im Rahmen der Veranstaltungsreihe nach konkreten Utopien im 21. Jahrhundert suchen und diese in politische Strategien verwandeln. Dazu werden wir uns zwei brennenden Themen unserer Zeit widmen: der Klimakrise und der Institution Polizei. Ausgehend von deren Analyse wollen wir gemeinsam fragen, wo Transformationspotenziale liegen und wie emanzipatorische Kräfte handlungsfähig werden können, ohne sich in falschen Widersprüchen zwischen Reform und Revolution zu verlieren.

 

Block I Klima: „Überwinden, ausbremsen, überleben?!“ - Wege aus der Klimakrise

Die Klimakrise bedroht das menschliche Leben auf der Welt und gilt als eine der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts. Obwohl Einigkeit darüber besteht, dass nun dringend gehandelt werden muss, fehlt es auch linken Kräften oftmals an überzeugenden Ideen, wie eine nachhaltige und lebenswerte Welt für Alle aussehen könnte, geschweige denn, wie sie zu erreichen sei.

Im ersten Teil der Reihe „Konkrete Utopien einer lebenswerten Welt“ wollen wir gemeinsam den aktuellen Stand der Klimakrise analysieren und Strategien ausloten, wie sich emanzipatorische Kräfte auf das Kommende vorbereiten und den gesellschaftlichen Wandel mitgestalten können.

1) Lesung mit Fratzig Vorgelesen (Bremen): „Desert – Hurra die Welt geht unter!“ [06/01/2022]

Wie können durch unaufhaltbaren Klimawandel, wachsende Überwachung und die Ausweitung (und den Rückgang) der Zivilisation Freiheit und Wildheit möglich oder unmöglich werden? Desert ist ein provokantes, zivilisationskritisches Buch, das die Themen Umwelt(schutz), Globalisierungskritik und Anarchismus zusammenbringt.
Während Staaten Probleme schaffen, die nur mit ihrer Hilfe gelöst werden können, legt Desert anschaulich Lösungsansätze abseits von Naturschutzprogrammen dar. Der Blick auf neue Perspektiven bleibt positiv: Er zeigt, was es bedeutet, Anarchist*in und Umweltschützer*in zu sein, wenn weder die globale Revolution noch weltweite Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen.


2) Vortrag mit Annette Schlemm (Jena): „Wie viel Zeit bleibt uns noch? Die noch unbequemere Wahrheit…“ [10/01/2022]

"Wo steht das globale Klima aktuell und  was erwartet uns in den kommenden Jahren? Wie sicher sind unsere Vorhersagen? Und warum sollten sich Politik und Aktivist*innen dringend mit den naturwissenschaftlichen Aspekten der Klimakrise beschäftigen?“


3) Vortrag mit Freddy (Jena): „Kritik, Utopie & Transformation – Wie kann eine befreite Gesellschaft aussehen und wie kommen wir dahin?“ [20/01/2022]

Wie sieht unsere Kritik an den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen aus? Wie kann eine andere Gesellschaft, welche sich über „Commons“ strukturiert, aussehen? Wie kann die Transformation durch krisenhafte Momente (Kairos) aussehen? Diese Fragen möchte ich im Rahmen meines Vortrags aus theoretischer Sicht beantworten. Hierzu werde ich die Ideen von Simon Sutterlütti, Stefan Meretz, Karl Marx, Bini Adamczak, Eva v. Redecker und weiteren Theoretiker*innen verknüpfen und einen Debattenbeitrag zu zentralen Fragen rund um eine befreite Gesellschaft darlegen.


4) Vortrag mit der „Initiative Demokratischer Konföderalismus“ – „Demokratischer Konföderalismus als Lösungsperspektive auf die ökologische Krise“ [24/01/2022]

Die letzten Jahre sind weltweit davon gekennzeichnet, dass sich diem ökologische Krise zuspitzt. Im Globalen Süden sind die Auswirkung der Krise schon seit längerem zu spüren. Mittlerweile mit Waldbränden und Naturkatastrophen ist die Klimakrise aber auch in den reichen Ländern angekommen und Teil des täglichen Diskurs geworden. Im Rahmen des Diskurs werden zahlreiche Lösungsansätze diskutiert, eingebettet in eine enorme Praxis von Protest- und Widerstandsaktionen Der globale Druck durch Aktivist*innen und indigene Gemeinschaften auf die westlichen Staaten und Unternehmen steigt und die Vernetzung der Klimagerechtigkeitsbewegungen weltweit nimmt Fahrt auf. Es zeichnet sich daher jetzt schon, ab dass neben Geschlechterbefreiung die ökologischen Kämpfe die zentralen Kämpfe des 21. Jahrhunderts sein werden.

Wie können wir die ökologische Krise nachhaltig lösen? Wie gehen wir mit den Scheinlösungen des Grünen Kapitalismus um? Wie aus den Fehlern der Vergangenheit lernen? Wie retten wir den Planeten wirklich?

Der Demokratische Konföderalismus stellt einen ganzheitlichen Lösungsentwurf zur Lösung der ökologischen Krise und Überwindung der Kapitalistischen Moderne dar. Wir wollen diesen möglichen Ansatz praxisnah anhand der aktuellen Fragen und Herausforderungen der Klimagerechtigkeitsbewegung in Deutschland darstellen, und damit dazu beitragen den Demokratischen Konföderalismus auf die Agenda zu setzen und zur Diskussion zu stellen.
 

Block II Polizei: „Eine Welt ohne Polizei?!“ - Soziale Alternativen zur alltäglichen Polizeigewalt

Nicht erst seit dem Mord an George Floyd durch einen us-amerikanischen Polizisten im Jahr 2020 wird auch vermehrt in Deutschland über den richtigen Umgang mit wiederkehrenden ,Einzelfällen’ diskutiert. Während viele sich eine Welt ohne Polizei kaum vorstellen können, beharren andere auf einer grundsätzlichen Kritik an der Polizei, die sich nicht mit Reformen zufrieden geben will.

Im zweiten Teil der Reihe „Konkrete Utopien einer lebenswerten Welt“ wollen wir gemeinsam eine kritische Analyse der Institution Polizei wagen, um anschließend notwendige Reformen und soziale Alternativen auf dem Weg zu sozialer Gerechtigkeit und gesellschaftlichem Frieden zu diskutieren.

 

5) Vortrag mit Sören Kliem: "Defund the police/ fund the community" [03/02/2022]

Ankündigungstext folgt ;)

 

6) Vortrag von Copwatch Leipzig - "Abolish the Police!" - Warum und was stattdessen? [07/02/2022]

"Täglich neue Meldungen von rechtsextremen Chatgruppen in der Polizei, verschwundener Munition, Polizeigewalt oder Tode im Polizeigewahrsam lassen ernsthafte Zweifel aufkommen, ob diese Institution überhaupt noch reformierbar ist.
Wir wollen die aktuellen Aufgaben und Ressourcen der Polizei analysieren und folgende und andere Fragen diskutieren: Was bliebe überhaupt noch an Aufgaben übrig, würde man die meiste “Kriminalität” als Ausdruck sozialer Probleme begreifen und an deren Ursache ansetzen würde, statt die Menschen mit Kontrolle und Bestrafung zu bekämpfen? Was müssen wir in unserer Gesellschaft, in Nachbar*innenschaften und Communities tun, um “Sicherheit” und “Gerechtigkeit” auf andere Weise als durch Polizei herzustellen und sie so überflüssig zu machen?"

 

7) Vortrag mit GG/BO Jena und „Criminals for Freedom“ – Das System Knast und der Fall Ferhat Mayouf [17/02/2022]

Im ersten Teil wird die GG/BO-Soligruppe Jena eine kritische Perspektive auf das Gefängnis allgemein entwickeln – als Ort der Klassenunterdrückung und Ausbeutung sowie als totale Institution der Überwachung, Zurichtung und Bestrafung. Das wird sie an Beispielen aus dem Thüringer Strafvollzug anschaulich machen.

Im zweiten Teil werden die Criminals for Freedom aus Berlin über die Todesumstände von Ferhat Mayouf berichten. Er starb am 23. Juni 2020 in seiner Zelle in der JVA Moabit: Die Schließer griffen mehrere Minuten lang nicht ein, als es in seiner Zelle brannte. Während er verzweifelt um Hilfe schrie, öffneten Sie die Zellentür nicht und ließen ihn so ersticken und sterben. Mitgefangene, die der Öffentlichkeit davon berichteten, wurden daraufhin drangsaliert.

Vor Ort wird es einen Tisch mit Büchern und Broschüren zum Thema geben. Die Referent:innen werden auch im Anschluss an die Veranstaltung zu Gesprächen zur Verfügung stehen und freuen sich auf Austausch.

 

8) Workshop mit ignite! „Gerechtigkeit jenseits von Justiz, Polizei und Gefängnis: Transformative Gerechtigkeit“ [03/03/2022]

Warum reden wir in unseren Zusammenhängen eigentlich so viel davon, dass wir die Polizei ablehnen und rufen sie dann doch immer wieder an? Oder sind komplett ratlos, wie wir ohne sie agieren sollen? Und warum haben wir auch nach all den Jahrzehnten feministischer Kämpfe immer noch keine etablierten Konzepte zum Umgang mit zwischenmenschlicher Gewalt?
Wir halten es für unabdingbar, unsere theoretische Ablehnung von Polizei und Patriarchat nicht nur als Stickermotive zu verwenden, sondern auch eine Praxis zu entwickeln, die Alternativen sucht und erarbeitet. Wir wollen sowohl einen Umgang mit Gewalt in unseren Zusammenhängen finden, der nicht auf den Prinzipien von Straflogik und staatlicher Gewalt beruht, als auch Verantwortung übernehmen für die Umstände, die auch in emanzipatorischen Gemeinschaften zwischenmenschliche Gewalt ermöglichen. Wir sehen zwischenmenschliche Gewalt nicht als Ausdruck von Krankheit oder Bösartigkeit, sondern als sozial, also gesellschaftlich gemacht.
Die Gesellschaft, in der wir leben, ist zutiefst durchzogen von Herrschaft, Strafe und Gewalt. Wenn wir (sexualisierte) Gewalt in unseren Räumen, Gruppen und Beziehungen beenden wollen, können wir die Augen vor diesen Herrschaftsverhältnissen nicht verschließen. Daher wollen wir in diesem Workshop mit einigen Überlegungen zu den Zusammenhängen von Patriarchat (geschlechterbezogener Unterdrückung), Staat und Gewalt beginnen, die Logik des Strafens analysieren und schließlich alternative Konzepte zum Umgang mit Gewalt in unseren Gemeinschaften vorstellen.

Dabei wollen wir keinen Masterplan erklären, sondern mit Euch zusammen vorhandene Konzepte kennenlernen, Ideen und Erfahrungen austauschen und Euch anregen, Euch selbst Gedanken zum Thema zu machen. Wir wollen gemeinsam beginnen, in unseren eigenen Umfeldern daran zu arbeiten, zwischenmenschlicher Gewalt ohne den strafenden Staat begegnen zu können und auf Dauer nicht nur Feuerwehrpolitik zu machen, wenn es zu Übergriffen kam, sondern den Umständen, die diese gewaltvollen Verhältnisse erst ermöglichen, ein Ende zu setzen. Wir versuchen, in dem Workshop möglichst allgemeinverständliche Worte zu benutzen, und Fach- und Szenebegriffe zu erklären. Menschen ohne Vorwissen sind herzlich willkommen!